
Angehörige pflegen oder arbeiten? Informelle Pflege kostet schon heute 184.000 Vollzeitstellen und trifft Frauen besonders hart.
Karriere oder Care-Arbeit?
Vor dieser Entscheidung stehen derzeit rund 4,6 Millionen Menschen im Erwerbsalter, die informelle Pflegearbeit leisten. Bis zum Jahr 2045 wird dieser Anteil laut einer Studie der Bertelsmann Stiftung und von Prognos von 8,7 % auf 13,3 % steigen. Schon heute gehen der Wirtschaft dadurch rechnerisch 184.000 Vollzeitstellen verloren. Ohne bessere Rahmenbedingungen würde dieser Verlust bis 2045 um knapp 25 % auf rund 229.000 Vollzeitäquivalente anwachsen.
Besonders hart trifft diese Entwicklung Frauen. Sie stellen mit 63 % fast zwei Drittel der Pflegenden, erbringen wöchentlich im Schnitt sechs Stunden mehr Pflegearbeit als Männer und reduzieren für die Betreuung deutlich häufiger und früher ihre Arbeitszeit als Männer. Im Jahr 2045 könnten somit rund 580.000 Frauen wegen der Pflege von Angehörigen gar nicht oder nur noch eingeschränkt erwerbstätig sein, was drei Vierteln des gesamten Verlustes an Erwerbsvolumen entspricht.
Durch den demographischen Wandel wird die Zahl pflegebedürftiger Menschen weiter steigen. Damit in den kommenden Jahren nicht noch mehr Fachkräfte durch informelle Pflegearbeit dem Arbeitsmarkt entzogen werden, fordert die Studie politische Reformen wie ein modernes Familienpflegegeld, mehr Flexibilität in den Betrieben wie individuelle Arbeitszeitmodelle sowie verlässliche Wiedereinstiegsangebote.
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Dieser Text ist zuerst im wöchentlichen politjobs-Newsletter als Editorial erschienen. Wenn du diesen Newsletter mit den neuesten Jobs aus dem Politikbetrieb jeden Mittwoch direkt per Mail erhalten möchtest, kannst du ihn hier abonnieren.
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