Der EU-Talentpool: Ein neuer Vorschlag der Kommission zur Fachkräftewerbung

Die dringende Notwendigkeit, Lösungen für den sich verschärfenden Fachkräftemangel zu finden, ist unbestritten. Vergangene Woche hat daher die EU-Kommission einen neuen Vorschlag zur Anwerbung ausländischer Fachkräfte vorgestellt: Mithilfe eines EU-Talentpools soll es ermöglicht werden, Arbeitssuchende aus Nicht-EU-Ländern mit EU-Arbeitgebern zu verknüpfen. Insbesondere im Rahmen der Twin Transition – dem gleichzeitigen Übergang zu mehr Nachhaltigkeit und Digitalisierung – sollen durch diesen Talentpool Fachkräfte angeworben und an den Standort Europa gebunden werden.

Die Einrichtung eines zentralen EU-weiten Talentpools hätte dabei den Vorteil, dass Rekrutierungs- und Einstellungsprozesse vereinfacht würden und sich dabei nach den jeweiligen Bedürfnissen auf dem Arbeitsmarkt richten könnten. Zudem lässt sich eine Verbindung zu den aktuellen “Talent Partnerships” herstellen, die mit bestimmten Partnerstaaten der EU eingegangen werden sollen. Aktuell sind Kooperationen mit Marokko, Tunesien, Ägypten, Pakistan und Bangladesch in Vorbereitung. Durch diese Talentpartnerschaften soll die zwischenstaatliche Mobilität zu Arbeits- und Ausbildungszwecken gefördert werden. Die EU-Kommission sieht durch den Talentpool zusätzlich eine Chance für die Förderung legaler Immigration und möchte so “irreguläre Migration” eindämmen.

Nicht nur die EU, auch Arbeitssuchende aus Nicht-EU-Staaten sollen durch diesen Talentpool profitieren: Neben einer vereinfachten Arbeitssuche soll der Talentpool Informationen über Bewerbungsverfahren und Lebens- bzw. Arbeitsbedingungen in der EU anbieten. Zudem kann durch klare Schutzvorkehrungen sichergestellt werden, dass Einstellung und Arbeit fair und legal stattfinden. Bislang stieß der Vorschlag der Kommission auf positive Rückmeldungen von Wirtschaftsverbänden, wurde jedoch von Gewerkschaften kritisiert: Diese äußerten die Sorge, dass durch den Talentpool die Ausbeutung von Arbeitsmigrant:innen ermöglicht werde.
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Diese Themen haben uns außerdem interessiert:

  • Weiterbildung: Nicht nur die EU, auch die Bundesregierung plant angesichts des Wandels der Arbeitswelt mit neuen Maßnahmen: So will Bundesarbeitsminister Hubertus Heil etwa vermehrt auf Weiterbildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen setzen.

  • Erwerbstätigkeit in Deutschland: Vergangenen Sommer waren so viele Menschen in Deutschland gleichzeitig erwerbstätig wie noch nie: Erstmals gingen mehr als 46 Millionen einer beruflichen Tätigkeit nach, berichtet die Tagesschau.

  • Zukunft der Arbeit: Robotik und KI verändern viele Aspekte des Lebens, hat jedoch besonders starke Auswirkungen auf die Entwicklung der Arbeitswelt, die Business Punk zusammengefasst hat. Zudem zeigt eine neue Bitkom-Studie, wie weit vor allem KI-Chatbots bereits verbreitet sind: Rund ein Drittel der Deutschen hat ChatGPT bereits benutzt, die Hälfte davon zu beruflichen Zwecken.

  • Tag der Lohngleichheit: Frauen verdienen EU-weit rund 13 % weniger Gehalt als Männer, ergab eine statistische Auswertung. Auf diese Ungleichheit macht der Tag der Lohngleichheit aufmerksam, der vergangene Woche am 15. November begangen wurde.

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Diese Woche gab es wieder jede Menge Jobs aus dem politischen Betrieb, u. a. mit Jobs beim Verfassungsblog, bei Eckiger Tisch und innn.it.

Veröffentlicht am : 22.11.2023