Geschlechterdiversität in der Politikberatung: Studie zeigt Handlungsbedarf

Der Frauenanteil in Führungspositionen der Public-Affairs-Branche beträgt lediglich zehn bis 35 %. Daher liegt die Frage nahe, worauf sich dieser geringe Anteil zurückführen lässt und welche Erfahrungen Frauen allgemein in der Politikberatung machen. Mit diesen Themen beschäftigt sich die jährliche Branchenstudie der de’ge’pol W, die letzte Woche in Berlin präsentiert wurde.

Einen ersten Schwerpunkt legt die Studie auf die Rolle der “gläsernen Decke” in der Politikberatung, d.h. auf die Faktoren, die als unsichtbare Hindernisse Frauen daran hindern, wie Männer in der beruflichen Hierarchie aufzusteigen. Hier fanden die Forschenden heraus, dass die befragten Frauen diese gläserne Decke besonders am erschwerten Zugang zu Netzwerken, an Stereotypen über die Public-Affairs-Arbeit und an fehlenden weiblichen Vorbildern in der Branche bemerkten. Zudem stellt Care-Arbeit für die eigene Familie ein weiteres Karrierehindernis dar, dem sich Frauen ausgesetzt sehen.

Der zweite Teil der Studie konzentriert sich auf geschlechtsbezogene Diversität in der Public-Affairs-Branche und ihre Auswirkungen auf die berufliche Zufriedenheit. Dabei schätzten Frauen ihre beruflichen Karrierechancen zwar durchweg geringer ein und betonten, dass ihre Arbeit eher im Hintergrund und weniger sichtbar geschehe. Dennoch zeigten sie sich überwiegend zufrieden mit ihrer Branche.

Unabhängig von der generellen Zufriedenheit zeigt die Studie anhand mehrerer Handlungsempfehlungen auf, wo Ansätze für Verbesserungen bestehen: Zum einen sollte transparent mit dem aktuellen Stand der Geschlechterdiversität umgegangen und ein bundesweiter Dialog darüber geführt werden. Weiterhin nennen die Autor:innen brancheninterne Vernetzung und die Förderung von Role Models und Mentor:innen als wichtige Faktoren. Nicht zuletzt wird auch die Relevanz weiterer Forschung betont.

Diese Themen haben uns außerdem interessiert:

  • Minijobs: Geringfügig beschäftigte Arbeitnehmer:innen lassen sich oft von der Rentenversicherung befreien und sehen sich dadurch im Alter einer unzureichenden Rentenhöhe ausgesetzt. Daher argumentiert nun der Präsident des Bundessozialgerichts Rainer Schlegel für eine Abschaffung der “Minijobs”, schreibt die Zeit.

  • Fachkräftemangel: An Grundschulen herrscht aktuell häufig großer Lehrkräftemangel – noch. Neue Berechnungen der Bertelsmann Stiftung zeigen, dass sich diese Situation noch innerhalb der nächsten zehn Jahre ins Gegenteil verkehren dürfte: Schon bis 2035 dürften rund 45.800 Grundschullehrkräfte mehr fertig ausgebildet sein, als dann benötigt werden.

  • Elektro- und Digitalindustrie: Zunehmend mehr Verbände und Lobbyorganisationen positionieren sich öffentlich gegen Rechtsextremismus und die AfD. Dazu zählt neben der BDA und dem DGB nun auch der Präsident des ZVEI, der die Elektro- und Digitalindustrie vertritt: Rechtsextremistische Parteien, darunter auch die AfD, würden dem Wirtschaftsstandort Deutschland und dessen Wohlstand schaden.

  • KI am Arbeitsplatz: Welche Arbeitsplätze werden in Zukunft von Künstlicher Intelligenz ersetzt? Zu dieser Diskussion leistet eine MIT-Studie einen neuen Beitrag, indem sie die Kosteneffizienz der KI-Nutzung in verschiedenen Branchen analysiert. Dabei zeigte sich, dass KI aktuell in mehr als drei Vierteln der untersuchten Jobs noch zu teuer ist, um menschliche Jobs zu ersetzen.

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Veröffentlicht am : 31.01.2024